Deutscher Gewerkschaftsbund

20.04.2011

Reformierung des Bildungssystems von der Mehrheit gewünscht


Das ergab eine Online-Befragung, die das Strategieberatungsunternehmen Roland Berger Strategy Consultants, die Bertelsmann Stiftung sowie die Tageszeitungen Bild und Hürriyet initiiert haben. An der Befragung nahmen 480.000 in Deutschland lebende Frauen und Männer teil, 130.000 der Befragungsteilnehmenden haben den Fragebogen komplett ausgefüllt.

Die Ergebnisse im Überblick:

Höhere Steuern für bessere Bildung
Die deutliche Mehrheit der Teilnehmenden (72 %) wäre bereit, für bessere Schulen, Unis und Kindergärten mehr und höhere Steuern zu zahlen.

Kindergartenpflicht mehrheitsfähig

Die Einführung einer Kindergartenpflicht unterstützen 87 % der Teilnehmenden (davon 42 % für Kinder ab 3 Jahren, 19 % schon ab 2 Jahren, 12 % ab 1 Jahr). Übrigens stimmten auch mehr als zwei Drittel der türkischstämmigen Migranten/innen einer Kindergartenpflicht ab 2 oder 3 Jahren zu.

Kostenloses, reformiertes Bildungssystem gewünscht

Den größten bildungspolitischen Reform- und Investitionsbedarf sehen die Teilnehmenden bei den Schulen. 69 % finden, dort sollte deutlich mehr investiert werden. Mehr Geld für den Kindergartenausbau fordern 18 %, für Unis 6 %. Dass der Schulbesuch kostenlos sein muss, fordern 87 %. Für kostenlose Kitas/Kindergärten sprachen sich 67 % und gegen Studiengebühren 47 % der Befragten aus. Allerdings schätzen 80 % den Reformwillen der Bildungspolitiker/innen als „gering“ oder „sehr gering“ ein. Das Lehrer/innen für bessere Bildung eintreten, darauf vertrauen immerhin 57 % der Teilnehmenden.

Schlechte Noten - föderales Schulsystem hat ausgedient

92 % der Befragten sprechen sich für einheitliche Lehrpläne über alle Bundesländer hinweg aus. Sie sind die länderspezifischen Lehrpläne und Schulsysteme leid und wollen sie abschaffen. Der sich darin spiegelnde Reformbedarf kommt auch in der schlechten Bewertung des Bildungssystems mit 3,7 zum Ausdruck. Die teilnehmenden Lehrer/innen bewerten es mit 3,6 fast genauso schlecht und Eltern bewerten es im Schnitt mit 3,9 noch schlechter.

Wunschschule ist Ganztagsschule

Die große Mehrheit der Teilnehmenden (81 %) fordert die Ganztagsschule, davon 42 % als Pflicht, 38 % als freiwilliges Angebot. Lediglich 19 % sprechen sich für die bestehende Halbtagsschule bis 13 Uhr aus.

Schulen in „Problemvierteln“ sollen gestärkt werden

Für eine bessere Ausstattung von Schulen in Problemvierteln sprechen sich mehr als 50 % der Befragten aus. Schulen in schwierigen Milieus und Problemstadtteilen sollen finanziell und personell besser ausgestattet werden.

Sechsjährige Grundschule am beliebtesten

Fast jeder Zweite spricht sich für die Grundschule bis Klasse 6 aus, nur 33 % wollen die vierjährige Grundschule. 22 % wollen sogar eine Gemeinschaftsschule bis zur 9. oder 10. Klasse. Nur in Thüringen sieht die Welt anders aus. Dort liegt die Gemeinschaftsschule bis 9./10. Klasse vorn. In Hamburg und im Saarland liegt die Grundschule bis 4. Klasse vorn.

Eltern wollen Mitspracherechte bei Schullaufbahnentscheidung

Drei Viertel der Befragten wollen, dass Eltern und Lehrer/innen nach der Grundschule gemeinsam über die Schullaufbahn der Kinder entscheiden. Lediglich 6 % wollen die Lehrer/innen allein entscheiden lassen. 29 % wollen, dass allein der Notendurchschnitt über den weiterführenden Schultyp bestimmen soll. Das ein Hauptschulabschluss nicht mehr ausreicht, um im Berufsleben zu bestehen, stimmten 74 % der Befragungsteilnehmer/innen zu.

Aufstieg durch Bildung soll möglich sein

Der größte Teil der Befragten vertritt die Ansicht, dass es eine Hauptaufgabe unseres Bildungssystems ist, sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen einen Aufstieg zu ermöglichen. Hier stimmten vor allem die Befragten mit niedrigerem Bildungs- bzw. Einkommensniveau zu. Noch ein weiteres Selektionskriterium fällt auf: Fast ein Drittel der Umfrageteilnehmer mit türkischem Migrationshintergrund wünscht sich eine bessere Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilie - während dies ansonsten nur ein verschwindend kleiner Teil der Befragten befürwortet.

Mehrheit ist für Lehrstellen-Garantie

70 % der Befragten sprachen sich („eher“ oder „voll und ganz“) für eine staatliche Ausbildungsplatzgarantie nach der Schule aus.

>> Weitere Infos: http://www.bildung2011.de


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